A Taste of Tomorrow: Studie zum ökonomischen Potenzial alternativer Proteine in Deutschland
Deutschland hat gute Startbedingungen im weltweiten Wettlauf um die Innovationsführerschaft im Bereich alternativer Proteinquellen. Das Beratungsunternehmen Systemiq hat im Auftrag von GFI Europe untersucht, wie die Diversifizierung unserer Proteinversorgung Wirtschaftswachstum, zukunftssichere Arbeitsplätze und Fortschritte beim Umwelt- und Klimaschutz für Deutschland schaffen kann.
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Zur Studie: A Taste of Tomorrow
Wirtschaftliches Potenzial
Deutschland verfügt über starke Voraussetzungen, um eine führende Rolle in der aufstrebenden Branche der alternativen Proteine einzunehmen: eine leistungsstarke Industrie, eine exzellente Forschungslandschaft und einen großen Heimatmarkt mit aufgeschlossenen Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Laut der Studie „A Taste of Tomorrow“ von Systemiq liegt das Potenzial dabei nicht nur in der Produktion von Lebensmitteln, um die Nachfrage auf dem deutschen Heimatmarkt zu decken. Das wirtschaftlich noch größere Potenzial liegt in der Nutzung von Deutschlands Know-how bei der Herstellung industrieller Vorleistungen wie Extrudern, Fermentern und anderen Maschinen.
Drei Szenarien
Die Studie modelliert das mögliche ökonomische und ökologische Potenzial alternativer Proteine in Deutschland in drei Szenarien: Business-as-Usual, Medium Ambition und High Ambition, jeweils bis 2030, 2035, 2040 und 2045. Die Entwicklungsszenarien unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf den Umfang öffentlicher und privater Investitionen.
Das ambitionierteste Szenario geht von umfassender politischer, regulatorischer und finanzieller Unterstützung für den Sektor aus. Das heißt konkret, dass das Zulassungsverfahren für neuartige Lebensmittel effizient und transparent durchgeführt wird und dass die Politik erheblich mehr öffentliche Investitionen in die Forschungsförderung und die Skalierung der Produktion tätigt.
Unter diesen Bedingungen könnte Deutschland eine weltweite Führungsposition im Bereich der Proteindiversifizierung einnehmen:
- Der Sektor könnte bis 2045 bis zu 65 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaft beitragen. Das entspricht etwa 8 Prozent der Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland im Jahr 2023.
- Neue Exportmöglichkeiten könnten bis 2045 davon bis zu 35 Milliarden Euro beitragen, insbesondere durch den Export innovativer Produktionsinfrastruktur (z. B. Fermenter).
- Die Branche könnte bis 2045 bis zu 250.000 zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen, unter anderem in der Industrie und in landwirtschaftlichen Betrieben.
Die Diversifizierung der Proteinversorgung zahlt dabei auf mehrere politische Ziele ein, über die in Deutschland breiter Konsens besteht: Sie stärkt die Innovationsführerschaft bei Zukunftstechnologien, fördert Ernährungssicherheit und Technologiesouveränität und verringert die Abhängigkeit von Importen und volatilen Lieferketten.
Ökologische Vorteile
Neben den direkten wirtschaftlichen Auswirkungen kann die Diversifizierung der Proteinversorgung auch Vorteile für den Klima- und Umweltschutz sowie für eine gesunde Ernährung mit sich bringen. Eine Ernährung mit mehr pflanzlichen Lebensmitteln und anderen alternativen Proteinquellen enthält deutlich weniger Cholesterin und gesättigte Fettsäuren und kann gleichzeitig den hierzulande verbreiteten Mangel an Ballaststoffen beheben.
Die Vorteile der Proteindiversifizierung für Klimaschutz, Biodiversität und andere Dimensionen des Umweltschutzes lassen sich derzeit nur schätzen, da sich einige Technologien noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Auf Grundlage der zuverlässigsten derzeit verfügbaren Analysen zum ökologischen Fußabdruck alternativer Proteine ergibt sich für das High-Ambition-Szenario im Jahr 2045 folgendes Potenzial:
- Die Treibhausgasemissionen könnten um bis zu 8,1 Millionen Tonnen CO2e sinken – das entspricht den Emissionen von etwa 1,8 Millionen Autos und 23 Prozent der Emissionen aus der Tierhaltung.
- Der Flächenbedarf könnte um bis zu 2 Millionen Hektar reduziert werden – das entspricht etwa der Fläche ganz Sachsen-Anhalts oder 18 Prozent der gesamten deutschen Anbaufläche.
- Der Süßwasserverbrauch könnte um bis zu 129 Millionen m3 sinken – das entspricht dem Jahresverbrauch von 720.000 deutschen Haushalten.
Handlungsbedarf
Die Systemiq-Studie macht aber auch deutlich: Das enorme ökonomische und ökologische Potenzial entsteht nicht von allein, sondern erfordert massive Anstrengungen seitens der Wirtschaft und der Politik. Technologischer Fortschritt, öffentliche und private Investitionen sowie eine effiziente und verlässliche Umsetzung des Zulassungsverfahrens für neuartige Lebensmittel sind die zentralen Stellschrauben dafür, dass Deutschland zu einem Innovationsführer in diesem aufstrebenden Bereich werden kann.
Unser Team für Deutschland
Ivo, Lia und Rick arbeiten mit Politik, Nichtregierungsorganisationen und anderen Stakeholdern in Deutschland zusammen, um die politischen Rahmenbedingungen für alternative Proteine im größten Land Europas zu verbessern, damit die ökologischen und gesundheitlichen Vorteile von pflanzenbasiertem und kultivierten Fleisch voll zum Tragen kommen. Sie erreichen unser Team unter deutschland@gfi.org.