Öffentliche Forschungsförderung

Das Politik-Team des Good Food Institute Europe setzt sich dafür ein, dass öffentliche Mittel für Forschung und Entwicklung bereitgestellt werden, damit alternative Proteine schmackhaft, günstig und überall in Europa verfügbar werden.

Foto: VTT / Vesa Kippola

Warum es öffentliche Investitionen in alternative Proteine braucht

Foto: Kynda Biotech

So wie die Politik weltweit Forschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien gefördert hat, sollte sie auch frei zugängliche Forschung zu pflanzenbasierten Lebensmitteln, modernen Fermentationsverfahren und Zellkultivierung finanzieren. Solche Investitionen können innovative Lebensmittel zur Marktreife bringen und Europa eine führende Rolle bei der Proteinvielfalt sichern.

Zahlreiche Unternehmen treiben die Entwicklung dieser Lebensmittel weltweit voran. Doch es bedarf auch öffentlicher Investitionen in vorwettbewerbliche Forschung, um den Fortschritt zu beschleunigen, die Herstellungskosten zu senken und nachhaltige Optionen überall verfügbar zu machen.

Zum einen senden öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung ein starkes Signal an die Wirtschaft und wirken damit als Katalysator für mehr private Investitionen in diesem Bereich. Zum anderen ergänzen öffentliche Mittel private Investitionen: Unternehmen konzentrieren sich meist auf kurzfristige Herausforderungen und wollen ihre Innovationen in der Regel schützen. Mit öffentlichen Investitionen in Open-Access-Forschung lassen sich dagegen grundlegende Herausforderungen der Technologie angehen, deren Lösungen wiederum frei zugänglich gemacht werden. So wird das Wachstum des ganzen Sektors gefördert – statt nur der Erfolg einzelner Unternehmen – und der gesellschaftliche Nutzen von alternativen Proteinen maximiert.  

Öffentliche Investitionen in Deutschland


Laut einer Analyse von GFI Europe aus dem Jahr 2026 investierte Deutschland zwischen 2020 und 2025 mindestens 79 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und belegt damit im europäischen Vergleich den dritten Platz hinter Großbritannien und den Niederlanden. Im Hinblick auf die Pro-Kopf-Investitionen liegt Deutschland mit 1 Euro pro Kopf jedoch nur auf Platz zehn.

Damit riskiert Deutschland, das Potenzial der Proteindiversifizierung für Wirtschaftswachstum, Ernährungssicherheit und Umweltschutz nicht auszuschöpfen. Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Systemiq läge der Gesamtbedarf an öffentlichen Investitionen für FuE in Deutschland zwischen 2025 und 2045 bei etwa 140 Millionen Euro pro Jahr, um zu den führenden Ländern in diesem Bereich aufzuschließen und den anteiligen Beitrag zum globalen F&E-Investitionsbedarf zu leisten.

Erstellt mit Datawrapper. Quelle: GFI Europe (2026), State of the European alternative protein research ecosystem 2020 – 2025.

Der mit Abstand größte Teil der Fördermittel in Deutschland ging in den Plantbased-Bereich. Moderne Fermentationsverfahren, Zellkultivierung und technologieübergreifende Forschung erhielten hingegen – anders als in Ländern wie den Niederlanden, Großbritannien, Finnland oder Dänemark – nur einen Bruchteil der Investitionen. 

Diesem Trend wirkt die Bundesregierung nun entgegen: Im Mai 2026 hat sie im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland den Aufbau eines nationalen Innovationshubs für biotechnologisch hergestellte Lebensmittel aus Zellkultivierung und Präzisionsfermentation angekündigt. Ziel des Hubs ist vor allem, bislang vereinzelte Forschungsaktivitäten zu bündeln und die Kommerzialisierung zu beschleunigen. Laut Förderausschreibung stehen dafür 15 Millionen Euro für die ersten drei Jahre bereit; danach wird über eine Weiterführung entschieden. 

Der Innovationshub ist damit ein wichtiger Baustein, um kritische technische Herausforderungen zu lösen und Deutschland als Spitzeninnovator bei der Proteindiversifizierung zu positionieren. Für den nächsten Schritt ist jedoch eine breiter angelegte Investitionsstrategie nötig. 


Beispiele aus anderen europäischen Ländern und der EU

Die folgenden Abschnitte geben Beispiele und Details zur Forschungsförderung in einzelnen europäischen Ländern und der EU, basierend auf umfassenden Analysen von GFI Europe.

Europäische Union

Die Europäische Kommission stellte zwischen 2020 und 2025 insgesamt 469 Millionen Euro für die Forschung zu alternativen Proteinen bereit. 2025 lag die jährliche Fördersumme dabei 253 % höher als 2020. Mehr als 40 % dieser Mittel kamen aus Cluster 6 von Horizon Europe, dem wichtigsten Forschungsprogramm der EU. 

Dänemark

Dänemark investierte zwischen 2020 und 2025 24 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und liegt damit auf Platz zehn unter den europäischen Ländern. Die geförderten Forschungs- und Innovationsmaßnahmen sollten den wachsenden Plantbased-Sektor des Landes weiterentwickeln und Anreize für Landwirtinnen und Landwirte schaffen, Proteinpflanzen anzubauen. 

Bezieht man private Mittel ein, ist Dänemark mit 176 Millionen Euro das Land mit den höchsten Gesamtinvestitionen in alternative Proteine in Europa.

Niederlande

Die Niederlande investierten zwischen 2020 und 2025 mindestens 88 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und belegen damit Platz zwei unter den europäischen Ländern – die tatsächliche Summe liegt wahrscheinlich sogar höher. Als Pionierland bei kultiviertem Fleisch haben sie das mit 60 Millionen Euro ausgestattete Förderprogramm Cellulaire Agricultuur Nederland ins Leben gerufen. Es soll die Forschung zu kultiviertem Fleisch und Präzisionsfermentation sowie deren Kommerzialisierung beschleunigen und Aus- und Weiterbildung fördern, damit Fachkräfte für die neu entstehenden Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Großbritannien

Großbritannien investierte zwischen 2020 und 2025 145 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen – der höchste Gesamtbetrag unter den europäischen Ländern. Das Land verfügt über ein reiches FuE-Ökosystem für alternative Proteine, darunter ein Forschungszentrum für die Herstellung von Produkten der zellulären Landwirtschaft unter der Leitung der University of Bath, das mit 12 Millionen Pfund aus öffentlichen Mitteln unterstützt wird.

Finnland

Finnland investierte zwischen 2020 und 2025 62 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und belegt damit den vierten Platz in Europa. 30 Millionen Euro davon gingen an das Molkereiunternehmen Valio für das Forschungs- und Entwicklungsprojekt Food 2.0, welches zum Ziel hat, ein naturverträgliches finnisches Lebensmittelsystem zu schaffen.

Frankreich

Frankreich investierte zwischen 2020 und 2025 29 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und belegt damit Platz sieben unter den europäischen Ländern. Das Startup Standing Ovation erhielt von der französischen Regierung und der staatlichen Bank Bpifrance Zuschüsse in Höhe von fast 5 Millionen Euro, um mithilfe von Präzisionsfermentation tierfreies Kasein zu entwickeln. Im Mai 2026 kamen weitere 30 Millionen Euro von Bpifrance und anderen Investorinnen und Investoren hinzu.

Schweden

Schweden investierte zwischen 2020 und 2025 47 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und belegt damit Platz sechs unter den europäischen Ländern. Darin enthalten ist eine über vier Jahre verteilte Investition von 60 Millionen schwedischen Kronen (etwa 5,2 Millionen Euro) in das Projekt PLENTY. Es befasst sich mit der Kreislaufwirtschaft im Ernährungssystem, unter anderem mit der Nutzung von Nebenströmen aus der Landwirtschaft in der Fermentation.

Spanien

Spanien investierte zwischen 2020 und 2025 26 Millionen Euro in die Forschung zu alternativen Proteinen und belegt damit den neunten Platz unter den europäischen Ländern. Dazu gehört eine Investition von 5,2 Millionen Euro in ein Projekt zur Entwicklung von kultiviertem Fleisch mit gesunden Fetten, um zwei der gefährlichsten Gesundheitsprobleme in Spanien anzugehen – Darmkrebs und erhöhter Cholesterinspiegel. Im Jahr 2023 investierte die Regionalregierung von Katalonien außerdem 7 Millionen Euro in ein Zentrum für Innovation bei alternativen Proteinen (CiPA). Es soll Unternehmen im Bereich alternativer Proteine – sowohl bei pflanzlichen als auch bei fermentationsbasierten Lebensmitteln – dabei unterstützen, ihre Produktion zu skalieren.

Auch außerhalb Europas investieren Länder wie Kanada, Australien, Japan und Südkorea erhebliche Summen in das Potenzial von Lebensmitteln auf Basis von Pflanzen, modernen Fermentationsverfahren und Zellkultivierung. China hat 2025 zum zweiten Mal alternative Proteine als zentrale Priorität im Fünfjahresplan verankert. Einen vollständigen Überblick über die europäischen und globalen FuE-Fördermittel bietet der „State of Global Policy“-Bericht von GFI.


Report: Forschungslandschaft in Zahlen

Die Reports zur Forschungslandschaft in Europa und Deutschland analysieren neben den öffentlichen Fördermitteln auch wissenschaftliche Publikationen und Patente – zwei weitere zentrale Indikatoren für Forschung und Innovation. 

Wo besteht großer Forschungsbedarf?

GFI Europe hat eine Marktstudie durchgeführt, um eine Roadmap für pflanzliche Proteine, Fermentation und kultiviertes Fleisch zu erstellen. Die Studie beschreibt bestehende Wissens- und Marktlücken, technologische Herausforderungen und Innovationsprioritäten im Bereich alternativer Proteine entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 

Foto: Universität Hohenheim

Wie sich GFI Europe für den Ausbau der öffentlichen Forschungsförderung einsetzt

GFI Europe arbeitet mit Wissenschaft, Politik und anderen Stakeholdern zusammen, um für öffentlich finanzierte Forschung zu pflanzenbasierten Lebensmitteln, kultiviertem Fleisch und Fermentation zu werben und um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf vorhandene Fördermöglichkeiten aufmerksam zu machen. 

Was wir tun