GFI fördert auch 2026 Forschungsprojekte in Europa, die alternative Proteinquellen voranbringen

Ein Überblick über die Projekte, die für das GFI-Forschungsförderungsprogramm ausgewählt wurden und die Innovation im Bereich alternativer Proteinquellen in Europa vorantreiben.

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11. Februar 2026

Das globale Research Grant Program von GFI widmet sich einigen der vielversprechendsten, aber auch am stärksten vernachlässigten Forschungsgebiete im Zusammenhang mit pflanzlichen Lebensmitteln, kultiviertem Fleisch und Fermentation. Ziel ist es, diesen Bereich voranzubringen, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Wir freuen uns, Ihnen unsere neueste Kohorte europäischer Forscherinnen und Forscher vorzustellen, die an der Zukunft unserer Ernährung arbeiten – mit Projekten, die sich ebenso mit dem Muskelwachstum italienischer Rinder befassen wie mit Gulasch oder Würstchen.

Europas wissenschaftliches Ökosystem für alternative Proteine floriert. In den letzten fünf Jahren hat sich sowohl die Zahl der veröffentlichten Studien als auch die Summe der öffentlichen Fördermittel nahezu verdreifacht – was Europa in diesem sich rasch entwickelnden Feld als weltweiten Vorreiter positioniert. 

Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen auf dem Weg, pflanzenbasiertes und kultiviertes Fleisch sowie fermentationsbasierte Lebensmittel für mehr Menschen zugänglich zu machen. Doch genau dieses Ziel muss erreicht werden, wenn diese Innovationen einen echten Fortschritt in Richtung eines nachhaltigeren, sichereren und gerechteren Ernährungssystems bewirken sollen. 

Ein verbesserter Geschmack, geringere Kosten und ein höherer Nährwert sind dabei entscheidende Faktoren. Seit 2019 fördert das Research Grant Program des Good Food Institute – unterstützt durch unsere Spenderinnen und Spender – diese Ziele, indem es die frei zugängliche Forschung vorantreibt und die nächste Generation von Forschenden in die Lage versetzt, technische Hindernisse zu überwinden.

Jedes Jahr werden in einem gründlichen Bewertungsverfahren vielversprechende Projekte ausgewählt, die Fortschritt in diesen Bereichen versprechen. Wir sind sehr stolz, die erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten für 2026 und ihre in Europa basierten Forschungsprojekte vorzustellen: Ihre Arbeit hat das Potenzial, die Zukunft der Lebensmittelbranche zu gestalten – durch die Förderung nachhaltigerer, gesünderer und ethischerer Wege, die Welt zu ernähren. 

Suchen Sie nach Finanzierungsmöglichkeiten? Dann werfen Sie einen Blick auf unsere Datenbank zur Forschungsförderung sowie die GFI-Förderungsmöglichkeiten für Forschende.

Prof. Dimitris Charalampopoulos | University of Reading, Großbritannien

Für die Beliebtheit von Lebensmitteln spielt ihr Aussehen eine entscheidende Rolle. Bei Fleisch sind jedoch oft viele Zusatzstoffe erforderlich, um die richtige Farbe und Textur sowie den gewünschten Geschmack zu erzielen. Dies kann die Kosten erheblich in die Höhe treiben – was oft abschreckend wirkt. Was wäre aber, wenn ein natürlicher Inhaltsstoff mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen könnte?

Ein Forschungsansatz beschäftigt sich mit einer skalierbaren Methode zur Herstellung von Hefe und mit den besten Möglichkeiten, sie mit pflanzlichen Proteinen zu kombinieren, sowie damit, wie gut sich das entsprechende Endprodukt zubereiten lässt und wie es sich bei der Zubereitung verhält.

Dimitris Charalampopoulos und sein Team werden untersuchen, wie ein Stamm roter Hefe zur Herstellung pflanzlicher Produkte verwendet werden kann, die wie ganze Fleischstücke – beispielsweise Steaks – aussehen und schmecken und sich auch so anfühlen. Diese spezielle Hefe enthält von Natur aus ein Pigment, das ihr eine satte rote Farbe verleiht, ist reich an reichhaltigem Protein und kann dazu beitragen, den herzhaften Geschmack sowie die faserige Textur von Fleisch nachzuempfinden. Durch die Verwendung nahrhafter multifunktionaler Zutaten wie Hefe strebt das Team der University of Reading an, die Herstellungskosten zu senken und gleichzeitig den Appeal und den Nährwert zu steigern.

Dr.-Ing. Ulrike van der Schaaf | Karlsruhe Institute of Technology, Deutschland

Bei pflanzenbasiertem Fleisch besteht die Herausforderung oft darin sicherzustellen, dass es auch während langer Garzeiten seine Textur, seinen Geschmack und seine Saftigkeit behält. Daher eignet es sich häufig weniger gut für traditionelle, langsam gegarte Gerichte wie Eintopf oder Gulasch. Ulrike van der Schaaf und ihr Team bringen zwei kulinarische Traditionen zusammen, um pflanzliches Fleisch zu entwickeln, das für solche Rezepte geeignet ist: die jahrhundertealte Fermentation mit Koji sowie die altbewährte Methode des langsamen Garens. 

Sie werden Koji-Protein – ein nahrhafter Inhaltsstoff aus dem Schimmelpilz Aspergillus oryzae, der seit Jahrhunderten in der indonesischen und japanischen Küche zur Herstellung von Tempeh und Miso verwendet wird – mit Faba-Mehl kombinieren. Dabei handelt es sich um ein unraffiniertes Bohnenmehl, das reich an Ballaststoffen sowie mehreren essenziellen Nährstoffen wie Eisen ist. 

Koji liefert hochwertiges vollständiges Protein. Es kann auch die Verdaulichkeit der Proteine und Nährstoffe in Pflanzen während des Fermentationsprozesses erhöhen, da es sogenannte Antinährstoffe abbaut, die die Aufnahme blockieren können. Zusätzlich zu diesen ernährungsphysiologischen Vorteilen verbessert Koji die Textur, die Kaukonsistenz und die Kochbarkeit des Endprodukts. Mithilfe der Extrusion bei hoher Feuchtigkeit wird Ulrike von der Schaaf verschiedene Rezepturen und Verarbeitungsbedingungen testen, um die optimalen Koji-Konzentrationen zu ermitteln. 

Da Koji-Protein aus Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie lokal hergestellt werden kann und seit Jahrhunderten in der Lebensmittelfermentation verwendet wird, unterstützt dieser Ansatz zudem die Kreislaufwirtschaft und hilft, den Menschen schmackhaftes, nahrhaftes und nachhaltiges pflanzenbasiertes Fleisch nahezubringen.

Dr. Hooman Hefzi | Technische Universität Dänemarks

Während unser Körper seine Arbeit verrichtet, produzieren unsere Zellen Abfallstoffe. Beispielsweise sammelt sich während des Trainings Milchsäure in unseren Muskeln an und beim Abbau von Proteinen entsteht Ammoniak. Unser Kreislaufsystem beseitigt diese Nebenprodukte schnell. Bei kultiviertem Fleisch kann es jedoch eine Herausforderung sein, sie effizient zu entfernen. Dies kann letztendlich das Wachstum der Zellen einschränken und die Produktionskosten erhöhen.

Forschende aus der Medizin, die sich mit Zellkulturen für therapeutische Zwecke befassen, haben diesbezüglich bereits einige Fortschritte erzielt. Hooman Hefzi möchte untersuchen, wie diese Techniken auf kultiviertes Fleisch angewendet werden können. Zusammen mit seinem Team möchte er eine Rinderzelllinie verbessern, um sie in Suspensionskulturen effektiver wachsen zu lassen. Dies könnte die Kosten senken und es kleineren Akteuren ermöglichen, kultiviertes Fleisch zu entwickeln, da so der Bedarf an größeren Anlagen reduziert würde. 

Außerdem werden Hooman Hefzi und sein Team gentechnische Verfahren einsetzen, um die Zellen daran zu hindern, Abfallstoffe wie Laktat und Ammoniak zu produzieren, sodass die Zellen in größerer Zahl wachsen können. Mithilfe dieser Forschung soll eine leistungsstarke, anpassungsfähige und leicht zugängliche Zelllinie entwickelt werden, die als Grundlage für zukünftige Innovationen in der Produktion von kultiviertem Fleisch dienen kann.

Dr. Joshua Flack | TU Delft, Niederlande

Die Rinderzelllinien, die derzeit in der Forschung zu kultiviertem Fleisch verwendet werden, sind für eine groß angelegte, kostengünstige Produktion noch nicht ideal. Im Rahmen des ReCACE-Projekts möchte Joshua Flack dies ändern: Die Entwicklung einer neuen Gentechnik-Plattform soll es einfacher machen, diesen Zellen nützliche Eigenschaften hinzuzufügen. 

Das Team wird zunächst spezielle „Landing-Pad“-Zellen schaffen, die den Einbau weiterer Gene erleichtern. Über diese Plattform werden die Forschenden Zelllinien entwickeln, die frei in Suspension – also in einer flüssigen Umgebung schwebend – wachsen können, und weitere Verbesserungen testen, die unter anderem die Muskelzellbildung und Nährstoffverwertung betreffen. 

Das Team freut sich darauf, die im Rahmen dieses Projekts entwickelten Methoden und Tools verfügbar zu machen, um den weltweiten Fortschritt in der Forschung zu kultiviertem Fleisch voranzutreiben.

Dr. Restituto Tocmo | University of Reading, Großbritannien

Würstchen erfreuen sich in Europa seit Langem großer Beliebtheit – doch heute konsumieren wir weit mehr davon als noch vor 50 Jahren. Möglich gemacht hat diesen Anstieg die rasante Intensivierung der Landwirtschaft, eine Entwicklung mit schwerwiegenden Folgen sowohl für den Planeten als auch für unsere Gesundheit. Trotzdem zögern viele Menschen, auf pflanzliche Alternativen umzusteigen – oft aufgrund der Unterschiede in Geschmack und Konsistenz. Diese Herausforderung wollen Restituto Tocmo und sein Team mit dem Projekt YarroPro angehen, einer Zusammenarbeit zwischen der University of Reading, der National University of Singapore und der University of the Philippines Diliman.

Bild: CC BY – New Age Meats

Das Projekt zielt darauf ab, die Vielseitigkeit der Hefe Yarrowia lipolytica zu nutzen, um schmackhafte und nahrhafte pflanzliche Würste herzustellen. Restituto Tocmo und sein Team werden untersuchen, wie diese Hefe mithilfe von Kokosmehl gezüchtet werden kann; dabei handelt es sich um ein nachhaltiges und reichlich vorhandenes Nebenprodukt der Kokosnussverarbeitung. Die so gewonnene Hefe-Biomasse wird mit Proteinen aus Hülsenfrüchten kombiniert, um hybride Wurstrezepturen zu entwickeln.  

Außerdem sollen Möglichkeiten getestet werden, um die bei pflanzlichen Proteinen häufig auftretenden Bitternoten zu reduzieren und gleichzeitig den Geschmack, die Textur und den Nährwert der Würste zu verbessern. Wenn das Projekt erfolgreich ist, könnte YarroPro dazu beitragen, gesündere und nachhaltigere Methoden zur Herstellung dieses beliebten Nahrungsmittels verfügbar zu machen und den Menschen eine einfache Möglichkeit bieten, ihre Proteinversorgung zu diversifizieren.

Assoc. Prof. Alessandro Bertero | Universität Turin, Italien

In Italien gibt es viele traditionelle Rinderrassen, darunter eine, die von Natur aus eine genetische Variation aufweist, die zu einem stärkeren Muskelwachstum führt – was sie besonders vielversprechend für die Produktion von hochwertigem kultiviertem Fleisch macht. Jedoch wird die Großproduktion von kultiviertem Fleisch derzeit durch den Mangel an zuverlässigen und günstigen Stammzellen eingeschränkt – also von Zellen, die noch nicht spezialisiert sind und sich zu verschiedenen Zelltypen, darunter auch Muskelzellen, entwickeln können.

Um dieses Problem anzugehen, wollen Alessandro Bertero und sein Team eine öffentlich zugängliche Linie embryonaler Stammzellen einer traditionellen Rinderrasse schaffen und zur Verfügung stellen. Diese Zellen werden unter sorgfältig definierten, serumfreien* Bedingungen gezüchtet, die leichter zu reproduzieren und zu skalieren sind und keine Techniken der genetischen Modifikation erfordern.

Parallel dazu wird das Team mithilfe fortschrittlicher genetischer Werkzeuge eine zweite Zelllinie entwickeln, die sich selbst erneuert und ohne teure Wachstumsfaktoren zur Differenzierung angeregt werden kann. Von „Differenzierung“ spricht man, wenn sich Zellen zu spezialisierten Zelltypen wie Muskel- oder Fettzellen entwickeln. Zusammen wird dies sowohl für Märkte attraktiv sein, die nicht-gentechnische Lösungen bevorzugen, als auch für solche, die der Gentechnik offen gegenüberstehen. So kann dazu beitragen werden, kultiviertes Fleisch weltweit skalierbarer und zugänglicher zu machen.

* „Serum“ bezieht sich auf Fetales Kälberserum (FBS), ein Nebenprodukt der konventionellen Rindfleischproduktion, das seit jeher in der Zellkultivierungsforschung eingesetzt wird. Es ist für die Produktion in großem Maßstab nicht geeignet, da es teuer, unbeständig und nur begrenzt verfügbar ist – und zudem auf der konventionellen Rindfleischproduktion basiert. Daher verzichten viele Unternehmen, die kultiviertes Fleisch herstellen, bereits auf FBS; nichtsdestotrotz sind weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erforderlich, um die speziell für kultivierte Fleischzelllinien formulierten Medien zu optimieren.

Prof. Dr. Yanyan Zhang | Universität Hohenheim, Deutschland

Yanyan Zhang wird sich einer der größten Herausforderungen in Bezug auf pflanzenbasiertes Fleisch widmen: der Erzielung eines authentischen Fleischgeschmacks und -aromas. Zusammen mit ihrem Team wird sie einen neuen, skalierbaren Fermentationsprozess entwickeln, bei dem Basidiomycota-Pilze und Pflanzen aus der Familie der Zwiebelgewächse zur Herstellung von zwei natürlichen Aromastoffen verwendet werden – einem Aroma, das nach Fleisch schmeckt, und einem weiteren, das reich an Umami (Würzigkeit) und Kokumi (Tiefe) ist. 

Durch die Kombination von deutschem und chinesischem Fachwissen in den Bereichen Fermentation und Aromawissenschaft wird das Team die Aromen extrahieren, sie in pflanzenbasiertem Fleisch testen und ihre Akzeptanz bei Verbraucherinnen und Verbrauchern  sowohl auf dem deutschen als auch auf dem chinesischen Markt bewerten. Ziel ist es, nachhaltige, natürliche Aromastoffe herzustellen, die den Geschmack von pflanzlichem Fleisch verbessern und die Einsatzmöglichkeiten von Pilzen in der Transformation des Ernährungssystems erweitern.

Dr. Lakshmi Mundkur von Umami Bioworks (Indien), in Zusammenarbeit mit Prof. Kiron Viswanath und Postdoktorand Nafeez Ahmed von der Nord Universität (Norwegen)

Der Atlantische Heilbutt wird bis zu 50 Jahre alt und kann 5 Meter lang werden – was ihn zur größten Plattfischart der Welt macht. Aufgrund seines Geschmacks und seines hohen Nährwerts ist er als Speisefisch sehr beliebt. Leider haben die steigende Nachfrage und das langsame Wachstum des Heilbutts zu einer chronischen Überfischung geführt, sodass sich die Bestände nur langsam erholen. 

Dieses Projekt zielt darauf ab, seine wertvollen ernährungsphysiologischen Eigenschaften zu reproduzieren und gleichzeitig den Druck auf die Wildbestände zu verringern. Das Forschungsteam wird Stammzellen von Atlantischem Heilbutt entnehmen und testen, wie diese wachsen und sich zu Muskel- und Fettgewebe differenzieren. Mithilfe eines selbst entwickelten Machine-Learning-Tools wird das Team die besten Bedingungen für das Zellwachstum ermitteln und diese so anpassen, dass die Zellen in flüssigen, serumfreien Kulturen gedeihen. Außerdem sollen die Genetik und der Stoffwechsel der Zellen untersucht werden, um sicherzustellen, dass die Zelllinien über einen längeren Zeitraum gesund und stabil bleiben.  

Durch die Entwicklung von nachhaltigem kultiviertem Heilbutt könnte dieses Projekt eine zuverlässige Quelle für nahrhaften Fisch schaffen und gleichzeitig zum Schutz der wildlebenden Heilbutte und zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem beitragen.


Wir freuen uns, die Forschenden auf ihrem Weg unterstützen zu können, und sind gespannt auf die Ergebnisse ihrer Arbeit. Bleiben Sie über ihre Erfolge und Fortschritte auf dem Laufenden und schauen Sie sich unsere Blogreihe „Meet the Researcher“ an, die einen Einblick in eine Vielzahl spannender Forschungsprojekte an europäischen Institutionen bietet, darunter Profile einiger Forschender, die früher in unserem Research Grant Programm waren. 

Wenn Sie sich für die Teilnahme an unserem Förderprogramm 2027 interessieren, besuchen Sie bitte diese Seite.

Weiterführende Informationen

Wenn Sie mehr über alternative Proteine und Möglichkeiten in diesem Feld erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen die folgenden Materialien. 

Für Forschende:

Für Studierende:

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