Hightech Agenda Deutschland: Innovationshub für alternative Proteinquellen kann wirtschaftliches Wachstum ankurbeln
 

GFI Europe begrüßt, dass die deutsche Bundesregierung alternative Proteinquellen fest in ihrer Hightech Agenda verankert hat und einen nationalen Innovationshub für biotechnologisch hergestellte Lebensmittel einrichten will.

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20. Mai 2026

Abbildung von großen Fermentern, die für die industrielle Fermentation  verwendet werden.

Das Good Food Institute Europe (GFI Europe) begrüßt, dass die deutsche Bundesregierung alternative Proteinquellen fest in ihrer Hightech Agenda verankert hat. Die Roadmap für Biotechnologie, die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt vorgestellt wurde, unterstreicht die Bedeutung alternativer Proteinquellen für Innovationsführerschaft und technologische Souveränität und definiert konkrete Maßnahmen, um das Land zu einem Vorreiter in diesem Bereich zu machen. 

Ansätze wie die Zellkultivierung und moderne Fermentationsverfahren bergen enormes Potenzial für die Herstellung von innovativen und nachhaltigen Lebensmitteln, wie etwa kultiviertes Fleisch oder Zutaten, mit denen sich das Geschmacks- und das Nährstoffprofil pflanzlicher Fleisch- und Milchprodukte verbessern lässt. 

Innovationshub als Katalysator für Wissenstransfer zwischen Forschung und Industrie

Insbesondere begrüßt GFI Europe das Vorhaben, 2027 einen nationalen Innovationshub für biotechnologisch hergestellte Lebensmittel einzurichten, um bisher vereinzelte Forschungsaktivitäten stärker zu bündeln, Doppelstrukturen zu vermeiden und die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen zu beschleunigen. 

Dass ein solcher Innovationshub das Potenzial des Sektors maßgeblich heben kann, zeigen bestehende Beispiele aus Großbritannien und Schweden. Dort arbeiten Forschungseinrichtungen, Industrie und politische Entscheidungsträger gemeinsam an frei zugänglichen Forschungsergebnissen, um den Fortschritt in Richtung schmackhafter und bezahlbarer neuer Lebensmittel zu beschleunigen. 

Mit der Verankerung alternativer Proteine in der Hightech-Agenda und der dazugehörigen Biotechnologie-Roadmap könnte die Bundesregierung eine Lücke in der deutschen Förderlandschaft schließen: Eine gestern veröffentlichte Analyse von GFI Europe zum FuE-Ökosystem zeigt, dass Deutschland stark positioniert ist, um einen wettbewerbsfähigen Sektor für alternative Proteine zu entwickeln. So entfallen auf Deutschland im europäischen Vergleich in den letzten Jahren die höchste Anzahl an wissenschaftlichen Publikationen und die vierthöchste Anzahl an Patenten. 

Im Hinblick auf öffentliche Investitionen besteht allerdings Aufholbedarf: Zwischen 2020 und 2025 hat Deutschland 79 Millionen Euro in die Forschungsförderung investiert – das ist weniger als 1 Euro pro Kopf. Damit liegt Deutschland nur im Mittelfeld hinter Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden und mehreren skandinavischen Ländern. Zudem konzentriert sich der Großteil der Investitionen in Deutschland bisher auf pflanzliche Proteine; nur etwa ein Fünftel der Fördermittel entfällt auf biotechnologisch hergestellte Lebensmittel. 

Wirtschaftspotenziale heben und Zulassungshürden abbauen

Öffentliche Investitionen können ein enormer Hebel für wirtschaftliches Wachstum sein. So könnte laut einer Studie des Beratungsinstituts Systemiq der Sektor bis 2045 jährlich 20 bis 65 Milliarden Euro zur Wertschöpfung beitragen und 115.000 bis 250.000 Arbeitsplätze schaffen – abhängig vom Ausmaß der finanziellen und politischen Unterstützung. Mit der Roadmap ist die Bundesregierung nun auf einem zukunftsweisenden Weg, dieses wirtschaftliche Potential zu heben, denn auch die Systemiq-Studie empfiehlt die Einrichtung eines Innovationshubs, um bislang fragmentierte Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen stärker zu vernetzen. 

Entscheidend ist nun, dass der Aufbau des Hubs mit einem ausreichenden Budget abgesichert wird. Großbritannien finanzierte in den letzten Jahren beispielsweise gleich mehrere Zentren mit Förderungen von jeweils zwischen 10 und 15 Millionen Euro, die dem Land eine globale Vorreiterrolle bei der Produktion von biotechnologisch hergestellten Lebensmitteln und alternativen Proteinquellen verschaffen sollen. Zudem sollte der Hub so konzipiert werden, dass er interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert und Unternehmen einbezieht, um einen effizienten Wissenstransfer aus der Forschung in die Industrie zu ermöglichen. 

Entscheidend ist neben der öffentlichen Förderung auch, dass die Regulierung von neuartigen Lebensmitteln so ausgestaltet ist, dass diese Innovationen Zugang zum europäischen Markt erhalten. Vor diesem Hintergrund begrüßt GFI Europe, dass in der Roadmap auch die Notwendigkeit klar benannt wird, das EU-weite Zulassungsverfahren effizient und transparent umzusetzen und den EU Biotech Act so zu gestalten, dass die Möglichkeit von Regulatory Sandboxes auch diese Lebensmittel umfasst.      

Ivo Rzegotta, Leiter Deutschland beim Good Food Institute Europe: „Die Verankerung von biotechnologisch hergestellten Lebensmitteln in der Hightech Agenda ist ein erster entscheidender Schritt zur Umsetzung des Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag, nachhaltige alternative Proteinquellen zu fördern. Damit dieser Baustein seine volle Wirkung für den Innovationsstandort Deutschland und für die technologische Souveränität entfalten kann, kommt es nun darauf an, dass der angekündigte Innovationshub mit hinreichenden Mitteln ausgestattet wird und dass er interdisziplinär mit einer Beteiligung von Unternehmen konzipiert wird. Es ist erfreulich, dass die Roadmap die Bedeutung effizienter und transparenter Regulierung hervorhebt und Anpassungen beim EU Biotech Act fordert, um Regulatory Sandboxes auch im Bereich neuartiger Lebensmittel zu ermöglichen.“