Plantbased Marktentwicklung: Deutschland bleibt Europas Leitmarkt mit einem Umsatzwachstum von 3,1 %
Deutschland konnte seine Position als größter Markt für pflanzliche Alternativprodukte 2025 in Europa behaupten. Allerdings variierte die Performance je nach Kategorie, wobei pflanzliche Milch am stärksten gewachsen ist.
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9. Juni 2026

Deutschland konnte seine Position als größter Markt für pflanzliche Alternativprodukte 2025 in Europa behaupten. Dies zeigt eine neue Marktstudie von GFI Europe auf Basis von Daten von Circana und NIQ Homescan.
Im Jahr 2025 erzielten die sechs Kernkategorien pflanzenbasierter Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch und Milchgetränke, Joghurt, Käse, Sahne) einen Gesamtumsatz von 1,71 Milliarden Euro im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Dies entspricht einem Umsatzwachstum von 3,1 % und einem Wachstum der Verkaufsmenge um 6,2 % gegenüber 2024. Allerdings variierte die Performance je nach Kategorie, wobei pflanzliche Milch und pflanzlicher Joghurt das Gesamtwachstum antrieben.
Pflanzliches Fleisch: Herausforderungen bei Geschmack und Textur
In der Kategorie pflanzlicher Fleischalternativen hat sich der Umsatz bei 751 Millionen Euro eingependelt, während die Verkaufsmenge mit 1,7 % leicht rückläufig war. Diese Ergebnisse entsprechen grob dem Rückgang der Produktionsmenge, den das Statistische Bundesamt für das Jahr 2025 ausgewiesen hat.
Die rückläufige Absatzentwicklung ist vor allem auf die Eigenmarken der Supermärkte und Discounter zurückzuführen. Die Verkaufsmenge der Eigenmarken ist um 7 % zurückgegangen, obwohl sie 38 % günstiger waren als Markenprodukte. Die Verkaufsmenge der Markenprodukte ist hingegen leicht gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass insbesondere die Fleischalternativen der Eigenmarken die Erwartungen der Verbraucher hinsichtlich des Geschmacks und der Textur noch nicht hinreichend erfüllen.
Während pflanzliche Fleischprodukte, die das tierische Pendant nachbilden sollen, 2025 nicht wachsen konnten, stieg die Verkaufsmenge der traditionellen proteinreichen Lebensmittel Tofu, Tempeh und Seitan um 30 % auf 14 Millionen Kilogramm. Ein Hauptgrund hierfür dürfte der niedrigere Preis sein, denn Tofu kostet im Vergleich mit pflanzlichem Fleisch im Schnitt weniger als halb so viel (6,57 Euro gegenüber 14,35 Euro pro kg). Allerdings war die Verkaufsmenge von pflanzlichem Fleisch 2025 rund 3,7-mal so groß wie die von Tofu, Tempeh und Seitan zusammen.
Milchprodukte auf pflanzlicher Basis: Milch und Joghurt als Wachstumstreiber
Die zweitgrößte Kategorie war pflanzliche Milch und Milchgetränke. Der Umsatz stieg 2025 um 8,1 % auf 632 Millionen Euro, während die Verkaufsmenge um 7,7 % zunahm. Gemessen an der Verkaufsmenge machten pflanzliche Milch und pflanzliche Milchgetränke 9,2 Prozent des gesamten Milchmarktes aus.
Eigenmarken der Supermärkte und Discounter waren in der Milchkategorie der größte Wachstumstreiber. Sie machten 60 % der Kategorie aus und zeigen, dass sich Investitionen des LEH in qualitativ hochwertige Eigenmarkenprodukte auszahlen. Auch Produktinnovationen haben zum Wachstum der Kategorie beigetragen. Zum Beispiel sind mittlerweile 55 der 275 analysierten Produkte in der Kategorie Milch Barista-Style-Artikel.
Eine Angleichung der Preise für pflanzliche Milch und tierische Milch war ein zusätzlicher Wachstumsfaktor, wobei pflanzliche Milch 2025 im Durchschnitt noch 10 % teurer war als tierische Milch. Der verbleibende Aufpreis lässt sich ausschließlich auf die anhaltende steuerliche Benachteiligung zurückführen: Denn auf pflanzliche Milch entfällt 19 % Mehrwertsteuer, auf tierische Milch nur 7 %. Ohne diese Benachteiligung wären pflanzliche Optionen heute etwa gleich teuer wie Kuhmilch.
Auch die Kategorie pflanzlicher Joghurt ist stark gewachsen mit plus 9,8 Prozent beim Umsatz und plus 7,8 Prozent bei der Verkaufsmenge.
Insgesamt bleiben pflanzliche Milchprodukte ein stabiler Wachstumsmotor für den gesamten Plantbased-Sektor, wovon auch jüngste Investitionen etablierter Akteure wie Müller und Bauer zeugen.
Pflanzlicher Käse und Fisch: Nischenkategorien brauchen weitere Innovation
Mit einem Marktanteil von unter 1 % in ihren jeweiligen Kategorien bleiben pflanzlicher Käse und pflanzliche Fisch Nischenkategorien, die kaum wachsen. Der Umsatz von pflanzlichem Käse ging 2025 um 7,4 % zurück, während die Verkaufsmenge mit 7,5 Millionen Kilogramm nahezu unverändert blieb. Bei pflanzlichem Fisch – mit Abstand die kleinste Kategorie auf dem Markt für pflanzenbasierte Lebensmittel – ging die Verkaufsmenge um 29 % zurück.
In einer kleinen Produktkategorie kann dies auf Schwankungen im Sortiment zurückzuführen sein. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Performance der Produkte der entscheidende Faktor ist, da pflanzliche Fischprodukte hinsichtlich Geschmack und Textur noch nicht mit ihren tierischen Gegenstücken mithalten können – wie erste sensorische Studien zeigen.
Politischer Handlungsbedarf
Grundsätzlich ist das Interesse an Alternativprodukten in Deutschland weiterhin hoch: Fast jeder dritte deutsche Haushalt kaufte 2025 mindestens einmal pflanzliches Fleisch; bei pflanzlicher Milch lag die Käuferreichweite bei 38 %. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Offenheit der Verbraucher sowie die Vorreiterrolle des deutschen LEH, der versucht, den Anteil pflanzlicher Proteine durch Sortimentsausweitungen und gezielte Investitionen in Innovation und Preisparität zu erhöhen.
Das ökonomische und ökologische Potenzial von pflanzlichen Lebensmitteln und alternativen Proteinen ist enorm. Laut einer Studie von Systemiq kann der Sektor in Deutschland langfristig bis zu 65 Milliarden Euro zur Wertschöpfung beitragen, bis zu 250.000 Arbeitsplätze schaffen sowie bis zu 8,1 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen, wenn es ausreichende Investitionen und politische Unterstützung für die Proteindiversifizierung gibt.
Um das Potenzial pflanzlicher Optionen für Klimaschutz, Gesundheit und wirtschaftliches Wachstum zu heben, braucht es entschlossenes Handeln von Herstellern, Handel und Politik. Deutschland liegt bei den öffentlichen Investitionen pro Kopf in Europa derzeit im Mittelfeld und sollte eine Führungsrolle übernehmen, damit nachhaltige Alternativen eine größere Zahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern erreichen. Außerdem hemmen Wettbewerbsnachteile für pflanzliche Lebensmittel die Entwicklung, etwa die steuerliche Benachteiligung pflanzlicher Milch bei der Mehrwertsteuer sowie die jüngst beschlossenen Kennzeichnungsbeschränkungen für pflanzenbasierte Produkte in der EU.
Ivo Rzegotta, Leiter Deutschland/DACH beim Good Food Institute Europe: „Der deutsche Markt für pflanzenbasierte Lebensmittel behauptet seine führende Position in Europa. Die erfolgreichsten Kategorien sind jene, in denen die Produkte die Erwartungen der Verbraucher sowohl in Bezug auf Geschmack als auch auf den Preis erfüllen, verbunden mit Investitionen und Engagement des Einzelhandels. Um das gesamte ökonomische und ökologische Potenzial von pflanzenbasierten Lebensmitteln zu heben, sollte die Politik in Berlin und Brüssel deutlich mehr in Forschung und Infrastruktur investieren und unfaire Wettbewerbsnachteile abbauen, wie etwa die ungleiche Besteuerung und die absurden Bezeichnungsverbote für pflanzliche Optionen.“